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Nachhaltigkeit in Frankreich

Frankreich stand lange in dem Ruf, mit dem Thema Umweltschutz eher reserviert umzugehen. Seit etwa 2005 jedoch haben französische Medien, Politik und Bevölkerung die Nachhaltigkeit für sich entdeckt. Die Regierung initiiert Kampagnen zur Sensibilisierung, unterstützt die Forschung, verabschiedet Gesetze und setzt sich ehrgeizige Ziele, darunter auch die Senkung des der Anteil an Atomstrom an der franzözischen Energieversorgung auf 50 % bis 2025.

Umfragen belegen, dass sich deutlich mehr Franzosen mit einem nachhaltigen Lebensstil identifizieren als noch vor wenigen Jahren. Erneuerbare Energien sind populärer, ökologisches Bautechniken, Bio-Lebensmittel und Kosmetik sind beliebter, öffentliche Verkehrsmittel liegen wieder im Trend. Der Konsum von Bio-Lebensmitteln stieg in den letzten zehn Jahren jährlich um 10%, und auch nachhaltiger Tourismus wird zu einer festen Größe. Allerdings würden bisher nur etwa 60% der Franzosen für eine nachhaltige Lebensweise auch mehr Geld ausgeben wollen als für konventionelle Produkte. Immerhin ein Drittel der Bevölkerung sieht das anders.

Die Energiewende, in den Nachbarländern Deutschland, Belgien und Italien seit einem Jahr allgegenwärtig, ist ebenfalls in Frankreich angekommen. Ende 2011 führte die Umweltbehörde ADEME eine Umfrage durch, die ergab, dass 95% der Franzosen den Ausbau erneuerbarer Energien begrüßt. Die Akzeptanz gegenüber Solarmodulen und Windkraftanlagen ist gestiegen, und die Regierung reagiert mit Plänen, die den Anteil an Atomstrom am französischen Energiemix bis 2025 auf 50% senken sollen. Momentan beträgt er 75%. Frankreichs Möglichkeiten hinsichtlich alternativer Stromgewinnung sind enorm, allerdings liegen sie im Bereich veralteter großer Wasserkraftwerke - Solarenergie und Windkraft hatten bislang das Nachsehen. 

Auch zum Thema umweltfreundliche Verpackungen, das in der modebewussten französischen Kultur lange als Problemkind galt, zeigt sich das Land fortschrittlich. Zur Unterstützung der Biolandwirtschaft erliess Paris 2005 ein Gesetz zur Einführung von Einkaufstüten aus recyclebarer Maisstärke, zumal Papier im Vergleich eine kürzere Lebensdauer aufweist und sich als Rohstoff tendenziell immer weiter verteuert. 2007 stoppten die meisten großen Einkaufsketten wie Carrefour von sich aus die Gratisausgabe von Polyäthylen-Plastiktüten, 2009 gaben französische Supermärkte insgesamt nur noch 1,5 Milliarden Plastiktüten aus, rund 85% weniger als 2002. Ein neuer Gesetzesvorschlag von Ende 2011 fordert zudem eine Steuer für nicht biologisch abbaubare Plastikbeutel für Obst und Gemüse bis 2014, zeitgleich beschloss die Nationalversammlung ein generelles Verbot von Bisphenol A in Lebensmittelverpackungen.


 

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